In den Wirren und Nöten dieser Tage hatten alle den Traum von Freiheit und forderten
grundrechtlich gesicherte Freiheits- und politische Mitspracherechte.
Da politische Versammlungen verboten waren, organisierten Philipp Jakob
Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth zusammen mit dem "Deutschen
Preß- und Vaterlandsverein" als führende Köpfe am 27.05.1832 dieses Volksfest,
das als die Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland bezeichnet wird.
Wie es dazu kam:
Die linksrheinische Pfalz wurde 1816 nach dem Wiener Kongreß dem Königreich
Bayern zugeschlagen, obwohl das französische Verwaltungs- und Justizsystem
aufgrund der pfälzischen Zugehörigkeit zur französischen Republik seit 1797
bestehen blieb. Dank dieser fast zwanzigjährigen Zugehörigkeit besaß man
fortschrittliche "Institutionen", und man wollte sie weiterhin besitzen. Der
Rechtsstaat, wie er sich mit französischem bürgerlichen Recht und moderner
Gerichtsverfassung präsentierte, wie er in bisher unbekanntem Maße
staatsbürgerliche Freiheit und Sicherheit gewährleistete, war eine
Errungenschaft. Man hatte eine zweckmäßige Verwaltung erlebt, wirtschaftliche
Impulse erfahren, war Bürger eines großen Staatswesens. Die Neuzeit hatte ganz
und gar begonnen.
Die bayerische Obrigkeit führte dennoch die Menschen durch absolutistische
Willkür, enorm hohe Steuern und ein ungerechtes Zollsystem, das den Export
von Wein und Tabak aus der Pfalz behinderte, in große wirtschafltiche Not,
zumal die Menschen durch Mißernten zusätzlich in bittere Armut gerieten.
Die Julirevolution 1830 in Paris schürte also die Freiheitsgedanken der Bürger.
Von Frankreich ausgehend, erhob sich das Volk in ganz Europa gegen den
regierenden Adel und dessen Militär. Um diese freiheitlichen Bestrebungen in
der Pfalz zu unterbinden, versuchten die Bayern ständig, vor allem die Pressefreiheit
durch Zensur und Druckverbote immer mehr einzuschränken. Deshalb gründeten 1832
liberale Bürger und Journalisten zur Abwehr der Presseverbote kurzerhand den
"Deutschen Preß- und Vaterlandsverein", der innerhalb kürzester
Zeit 5.000 Mitglieder zählte und dann seine Auswirkungen im Hambacher Fest hatte.
Die Redner des Hambacher Festes forderten hauptsächlich Freiheit, Bürgerrechte
und nationale Einheit. Somit sind das Hambacher Fest, die 1848/49 folgende Revolution und
die 1. deutsche Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche am 18.05.1848 wichtige
Meilensteine bei der Entstehung der Demokratie
in Deutschland, dem Werden unserer Bundesrepublik und dem Weg zu einem
geeinten Europa. Die Farben Schwarz- Rot- Gold der 1832 am Hambacher Fest und 1848/49
mitgeführten Fahnen wurden später die Nationalfarben Deutschlands.
Dieses Jahr jährt sich die deutsche Revolution von 1848 zum 150. Mal.
Aufbauend auf dem, was seit 1982 zum 150jährigen Jubiläum des Hambacher
Festes hier gezeigt wird, verdeutlicht die Ausstellung "Ein Fest für die Freiheit"
seit 22. März 1998 täglich von 10 bis 18 Uhr die Aufbruchstimmung jener Tage.
Der Direkter des Historischen Museums der Pfalz in Speyer, Ausstellungskommissar
Meinrad M. Grewenig, und seine Mitarbeiter/innen haben alles
daran gesetzt, die Ausstellung besonders für junge Menschen attraktiv zu
gestalten. Zeitgenössische Dokumente und Originalobjekte, insgesamt rund
200 Exponate, werden durch multimediale Vermittlungseinheiten mit über
500 Bildern unterstützt und bringen auf lebendige Art und Weise die Vision
des Hambacher Festes, die Ideen der Revolution 1848/49 und die Demokratiebewegung
in Deutschland sowie ihre Auswirkungen den Besuchern nahe.
Für Kinder und Jugendliche gibt es zur Ausstellung den Kinderkatalog
"Eine Anleitung für junge Revolutionäre". Hierin werden
aus der Sicht eines fiktiven Jungen, der das Hambacher Fest erlebt
hat, "kindgerecht" die Ereignisse von damals geschildert.
Weiterhin fordern selbstgebastelte Kokarden und Einladungskarten
im "Hambacher Stil", eine Anleitung zum Backen der berühmten
Revolutionsbrötchen mit der schwarz- rot- goldenen Schleife in der
Mitte, ein Memory-Spiel zum Ausschneiden, ein Würfelspiel oder
ein Bilderrätsel zu den wichtigsten Persönlichkeiten und Ideen von
Hambach, die Kinder zu Auseinandersetzungen mit den damaligen
Ereignissen auf. Hier sollen die Kinder und Jugendlichen auf spielerische Art
und Weise mit den Spielregeln einer modernen Demokratie
vertraut gemacht werden - Geschichte, die man hautnah erleben kann.