Das Hambacher Fest
 
DIE WIEGE DER DEUTSCHEN DEMOKRATIE

Hambacher Fest
Hinauf Patrioten, hinauf zum Schloß, so oder ähnlich muß es 1832 gewesen sein, als sich ca. 30.000 Männer und Frauen aus nah und fern (Pfälzer, Franzosen, Polen, Handwerker und Bürger, Bauern und Winzer, Abgeordnete, Studenten) auf dem Marktplatz in Neustadt an der Weinstraße sammelten, um dann dem Aufruf folgend, singend und mit wehenden Fahnen in den Farben Schwarz-Rot-Gold hinauf zur Hambacher Schloßruine marschierten.
In den Wirren und Nöten dieser Tage hatten alle den Traum von Freiheit und forderten grundrechtlich gesicherte Freiheits- und politische Mitspracherechte. Da politische Versammlungen verboten waren, organisierten Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth zusammen mit dem "Deutschen Preß- und Vaterlandsverein" als führende Köpfe am 27.05.1832 dieses Volksfest, das als die Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland bezeichnet wird.

 
Wie es dazu kam:

Die linksrheinische Pfalz wurde 1816 nach dem Wiener Kongreß dem Königreich Bayern zugeschlagen, obwohl das französische Verwaltungs- und Justizsystem aufgrund der pfälzischen Zugehörigkeit zur französischen Republik seit 1797 bestehen blieb. Dank dieser fast zwanzigjährigen Zugehörigkeit besaß man fortschrittliche "Institutionen", und man wollte sie weiterhin besitzen. Der Rechtsstaat, wie er sich mit französischem bürgerlichen Recht und moderner Gerichtsverfassung präsentierte, wie er in bisher unbekanntem Maße staatsbürgerliche Freiheit und Sicherheit gewährleistete, war eine Errungenschaft. Man hatte eine zweckmäßige Verwaltung erlebt, wirtschaftliche Impulse erfahren, war Bürger eines großen Staatswesens. Die Neuzeit hatte ganz und gar begonnen.

Die bayerische Obrigkeit führte dennoch die Menschen durch absolutistische Willkür, enorm hohe Steuern und ein ungerechtes Zollsystem, das den Export von Wein und Tabak aus der Pfalz behinderte, in große wirtschafltiche Not, zumal die Menschen durch Mißernten zusätzlich in bittere Armut gerieten.

Die Julirevolution 1830 in Paris schürte also die Freiheitsgedanken der Bürger. Von Frankreich ausgehend, erhob sich das Volk in ganz Europa gegen den regierenden Adel und dessen Militär. Um diese freiheitlichen Bestrebungen in der Pfalz zu unterbinden, versuchten die Bayern ständig, vor allem die Pressefreiheit durch Zensur und Druckverbote immer mehr einzuschränken. Deshalb gründeten 1832 liberale Bürger und Journalisten zur Abwehr der Presseverbote kurzerhand den "Deutschen Preß- und Vaterlandsverein", der innerhalb kürzester Zeit 5.000 Mitglieder zählte und dann seine Auswirkungen im Hambacher Fest hatte.

Die Redner des Hambacher Festes forderten hauptsächlich Freiheit, Bürgerrechte und nationale Einheit. Somit sind das Hambacher Fest, die 1848/49 folgende Revolution und die 1. deutsche Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche am 18.05.1848 wichtige Meilensteine bei der Entstehung der Demokratie in Deutschland, dem Werden unserer Bundesrepublik und dem Weg zu einem geeinten Europa. Die Farben Schwarz- Rot- Gold der 1832 am Hambacher Fest und 1848/49 mitgeführten Fahnen wurden später die Nationalfarben Deutschlands. Dieses Jahr jährt sich die deutsche Revolution von 1848 zum 150. Mal.

Aufbauend auf dem, was seit 1982 zum 150jährigen Jubiläum des Hambacher Festes hier gezeigt wird, verdeutlicht die Ausstellung "Ein Fest für die Freiheit" seit 22. März 1998 täglich von 10 bis 18 Uhr die Aufbruchstimmung jener Tage.

Der Direkter des Historischen Museums der Pfalz in Speyer, Ausstellungskommissar Meinrad M. Grewenig, und seine Mitarbeiter/innen haben alles daran gesetzt, die Ausstellung besonders für junge Menschen attraktiv zu gestalten. Zeitgenössische Dokumente und Originalobjekte, insgesamt rund 200 Exponate, werden durch multimediale Vermittlungseinheiten mit über 500 Bildern unterstützt und bringen auf lebendige Art und Weise die Vision des Hambacher Festes, die Ideen der Revolution 1848/49 und die Demokratiebewegung in Deutschland sowie ihre Auswirkungen den Besuchern nahe.

Für Kinder und Jugendliche gibt es zur Ausstellung den Kinderkatalog "Eine Anleitung für junge Revolutionäre". Hierin werden aus der Sicht eines fiktiven Jungen, der das Hambacher Fest erlebt hat, "kindgerecht" die Ereignisse von damals geschildert.

Weiterhin fordern selbstgebastelte Kokarden und Einladungskarten im "Hambacher Stil", eine Anleitung zum Backen der berühmten Revolutionsbrötchen mit der schwarz- rot- goldenen Schleife in der Mitte, ein Memory-Spiel zum Ausschneiden, ein Würfelspiel oder ein Bilderrätsel zu den wichtigsten Persönlichkeiten und Ideen von Hambach, die Kinder zu Auseinandersetzungen mit den damaligen Ereignissen auf. Hier sollen die Kinder und Jugendlichen auf spielerische Art und Weise mit den Spielregeln einer modernen Demokratie vertraut gemacht werden - Geschichte, die man hautnah erleben kann.

 
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