Das Paradies
 
Das sogenannte Paradies, die äußere Vorhalle als Tor zur Stadt, öffnet sich in drei Spitzbogen, die auf zwei Rundpfeilern ruhen. Diese beiden Säulen könnten auf den Tempel Salomons in Jerusalem anspielen, ebenso das Steinrelief am linken Eingangspfeiler, das aus dem frühen 15. Jh. stammt. In der Gestalt des gekrönten Königs könnte Salomon als Tempelbaumeister mit Judenhut und Kopfbändern zu sehen sein.

Die Ausmalung deutet im südlichen Teil, der Epistelseite, mit dem Halbmond als Schlußstein und den acht Propheten Jesaja, David, Jeremias, Ezechiel, Michäas, Balaam, Mose und Aaron auf das Alte Testament hin. Im nördlichen Teil, der Evangelienseite, wird mit der Sonne als Schlußstein, den vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes und den vier Kirchenvätern Hieronymus, Augustinus, Gregor der Große und Ambrosius auf das Neue Testament verwiesen.

Der Schlußstein des mittleren Gewölbes ist das Wappen des bereits schon erwähnten Freiherrn Hans von Venningen, der von 1422 - 1444 Viztum in Neustadt war, und dessen Grabstein sich im katholischen Teil der Stiftskirche befindet.

Unter dem Nordturm wurde ein Durchgang geschaffen, der mit einem Kreuzgewölbe versehen ist, in dessen Schlußstein sich der gekrönte Pfälzer Löwe wiederfindet.

Ringsum an den Wänden der Vorhalle sind diverse Grabsteine aufgestellt, von denen der älteste des Ritters Konrad IX. Landschade von Neckarsteinach besonders bedeutsam ist. Er war von 1353 bis 1377 Viztum in Neustadt, der bedeutendste Beamte Rudolfs II. und Ruprechts I. und starb 1378.

Die pfälzischen Wittelsbacher, damals auf dem Höhepunkt ihrer Macht, prägten durch ihre Stiftung und den Bau der neuen Kirche nicht nur das damalige religiöse und geistliche Leben, sie förderten auch das geistig-kulturelle Leben für die Dauer von zwei Jahrhunderten und gaben der Stadt ihr, für uns heute noch bedeutendes, jahrhundertealtes Wahrzeichen.

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