Das Innere des protestantischen Teils zeigt ganz deutlich, was unter
pfälzischer Reduktionsgotik zu verstehen ist. Die Formen und der
konstruktive Aufbau sind, mit der Opulenz einer Kathedrale
verglichen, radikal vereinfacht (kein offenes Strebewerk, keine
Bündelpfeiler).Die Arkaden zwischen Haupt- und Seitenschiff
stützen sich auf mächtige Rundpfeiler mit tellerförmig
flachen Ringkapitellen. Das Gewölbe ruht auf einfachen Falt-
oder Spitzkonsolen.
Hinter dem Triumphbogen zum Pfarrchor ist der Schlußstein als
offener Ring mit Eichenlaubkranz gestaltet, ein sogenanntes
"Himmelfahrtsloch". Es diente sozusagen als "theatrum sacrum", um der
Gemeinde im Mittelalter die symbolträchtige Liturgie zu
veranschaulichen und zu verdeutlichen. Zu bestimmten kirchlichen
Festen wie Christi Himmelfahrt oder Pfingsten wurden Christus-
Marien- oder Heiliggeistbilder hochgezogen oder auch eine Taube
herabgelassen. (Ein weiterer Ring befindet sich als Schlußstein
im vierten Joch des Langhauses von Osten.)
Der dreijochige Emporenunterbau entspricht der dreijochigen Vorhalle.
Durch die Anordnung der 1970 eingeweihten Orgel ist auch das
große Maßwerkfenster im Westen wieder zu sehen.
Aus der Erbauungszeit der Kirche ist nur noch die Kanzel erhalten, die
bei der großen Innenrenovierung 1928 vom 2. Rundpfeiler der
Nordseite in den Altarraum versetzt wurde. Sie ist auf das
frühe 15. Jh. zu datieren und gilt als eine der ältesten,
in Deutschland erhaltenen, gotischen Steinkanzeln.
Das Chorgestühl, nur noch mit vier Sitzen erhalten, ist neben
dem in Deidesheim der einzige Rest mittelalterlichen
Chorgestühls in der Pfalz. Es wurde vermutlich von Eitel von
Sickingen in Auftrag gegeben, der 1485 Vogt auf der Burg Winzingen
war. Verziert ist es durch reiche Schnitzereien mit Rankwerk und
Familienwappen an den Seitenwangen und kleinen Figuren in
Gelehrten-, Bürger und Feldherrentracht auf den Lehnen. Die
Unterseiten der Klappsitze, die sogenannten Miserikordien, die den
Stiftsherren das lange Stehen bei den liturgischen Feiern erleichtern
sollten, sind mit Narren- und Frauenköpfen geschmückt.
(Damals stand man in der Kirche, erst später kam eine Bestuhlung
auf. Der Wiener Domprediger Mauer sagte zu dieser Entwicklung einmal
treffend: "aus der ecclesia orans et stans wurde die ecclesia sedens
et dormiens".)
Zu erwähnen ist noch eine Wappentafel links vom Eingang mit den
Wappen von Kurfürst Friedrich V. und seiner Gemahlin
Elisabeth Stuart, Tochter Jakobs I. von England und Enkelin
Maria Stuarts, im originalen Rahmen mit Inschrift und Jahreszahl
1617. Das Kurfürstenwappen ist mit dem Bande des englischen
Hosenbandordens mit der Inschrift "HONI SOIT QUI MAL Y PENSE", der
höchste vom englischen König zu vergebende Orden,
eingefaßt. Die Jahreszahl 1617 deutet auf den Anlaß der
Anfertigung, der Jahrhundertfeier der Reformation.
Die Trennwand des Langhauses wurde bei der Innenrenovierung 1928/29
mit einem spätexpressionistischem Mosaik nach einem Entwurf
des Karlsruher Professors August Babberger ausgestattet, von den
Dimensionen mit eines der größten Werke des 20.
Jahrhunderts. Es stellt nach der lutherischen Ikonographie den
auferstandenen Christus über seinem Grab schwebend, daher
gleichzeitig als Weltenrichter, dar.
Auch die Glasmalereien der Fenster sind nach einem Entwurf von
Prof. Babberger gefertigt. Sie zeigen auf der Nordseite
Kurfürst Ottheinrich, unter dessen nur dreijähriger
Regentschaft die Pfalz evangelisch wurde, König Gustav Adolf
von Schweden, der den Reformierten in Deutschland im 30-jährigen
Krieg beistand und Pfalzgraf Johann Casimir, der 1578 mit dem
Casimirianum die erste reformierte Hochschule gründete. Auf der
Südseite ist in der Mitte Martin Luther zu sehen, gerahmt von
den Gelehrten der Neustadter Hochschule Zacharias Ursinus, dem
Mitverfasser des Heidelberger Katechismus und David Pareus, dem
Herausgeber der Neustadter Bibel.
Das Kreuz an der Nordseite im Pfarrchor ist ein Werk von Otto
Kallenbach aus Trippstadt (1911 - 1952), gestiftet von einem
Neustadter Bürger aus Dankbarkeit über die Rückkehr
seiner Söhne aus dem Krieg. (Ähnlich dem Triumphkreuz in
der Münchner Frauenkirche, das von seinem Lehrer Josef
Henselmann geschaffen wurde.)