Neustadt - nova civitas - ist, wie der Name schon sagt, eine neue,
nach wohlüberlegtem Plan gegründete Stadt. Über das genaue Jahr
der Gründung gibt es leider keine Dokumente! Man kann aber aufgrund von
urkundlichen Erwähnungen und den damaligen territorialpolitischen
Hintergründen die Errichtung auf den Zeitraum zwischen
1214 und 1245 eingrenzen. Die Anlage der Stadt ist in enger Anlehnung
an die in nordöstlicher Richtung gelegene Burg Winzingen,
heute besser als Haardter Schloß bekannt, und an das bereits im
Jahre 774 erstmals urkundlich erwähnte Dorf Winzingen entstanden.
Es gehört zu den Ungereimtheiten der Geschichte dieser Stadt, daß
es bislang nicht möglich gewesen ist, zu klären, ob Neustadt eventuell
schon in spätstaufischer Zeit im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts
Stadtrecht verliehen wurde, ja daß letztlich keine belegbaren Aussagen
über die Person und die Rolle des damaligen Stadtherrn möglich sind.
Fest steht jedenfalls, daß der Anfang des 13. Jahrhunderts eine
Hochperiode der Städtegründungen ist. Jedes große Herrschergeschlecht
jener Zeit gründete Städte. Und so liegt es nahe, daß auch die
Wittelsbacher sich dem Zuge der Zeit nicht entziehen konnten, wenn sie ihre
Stellung im neuerworbenen Gebiet sichern wollten, und daß Pfalzgraf
Ludwig I. (der Kehlheimer) für seine linksrheinische Stadt den
Ausgang des Speyerbachtals wählte und damit eine förmliche Talsperre
bilden wollte. Noch dazu war er eben auch ein Fürst, der
Macht und Mittel besaß, um in kurzer Zeit eine Stadt nach wohlüberlegtem
Plan entstehen zu lassen.
In der Nähe des alten Wegs von Kaiserslautern nach Speyer wurde
Neustadt wie ein römisches Kastell angelegt. Für die mittelalterliche
und frühneuzeitliche Stadt Neustadt ist die geringe Ausdehnung des
ummauerten Raumes von etwa neun Hektar Fläche bemerkenswert,
denn die Stadt war von einer etwa 8 m hohen Stadtmauer mit mehreren
Toren und Türmen festungsähnlich umgeben. Ursprünglich hatte die
Mauer aus Sicherheitsgründen nur zwei Tore, und zwar im Süden das
Hambacher und im Westen das Kirchtor, später Markttor genannt.
Das Neutor im Norden wurde erst 1778 durchgebrochen. Die Stadt
war schon früh in vier Stadtviertel gegliedert, und zwar durch eine
Nord- Süd- Achse und eine Ost- West- Achse, die die Stadt in das
Judenviertel, das Frauenviertel, das Kesselringviertel und das Lauerviertel
aufteilten. Hier sei noch kurz zu bemerken, daß die frühe Anwesenheit
von Juden in Neustadt auch Rückschlüsse auf den mittelalterlichen
Handels- und Marktort Neustadt zuläßt.
Das 16., 17. und 18. Jahrhundert sind geprägt von Seuchen, Bauernkriegen,
Hunger (daher 1709 erste große Auswanderungswelle), dem
30jährigen Krieg (Neustadt leidet unter zahlreichen Belagerungen und
Eroberungen durch spanische, schwedische, kaiserliche und französische
Truppen), den Erbfolgekriegen und der Französischen
Revolution. Im 18. Jahrhundert ist ein langsam einsetzender Wandel
in dem bis dahin bewahrten mittelalterlichen Stadtbild zu verzeichnen.
Noch vor der Französischen Revolution werden Türme und Mauern
niedergelegt, die Stadt beginnt sich auszudehen. Die Franzosenzeit,
zwei Jahrzehnte bis zum Sturze Napoleons I., brachte zahlreiche
Änderungen und Neuerungen, die sich jedoch kaum optisch fassen
lassen, die aber auf dem politischen und sozialen Sektor weit in das
19. Jahrhundert hinein wirksam werden und bleiben sollten:
Errungenschaften auf dem Gebiete des Rechts, die auch unter Bayern
nach 1818 beibehalten wurden.
Ein Turm der früheren Befestigungsanlage, der Storchenturm, ist noch
von der alten Festungsstadt übriggeblieben.
In den zurückliegenden mehr als sieben Jahrhunderten durchmaßen die
Stadt und ihre Bürger Höhen und Tiefen, und manche schwierige
Situation wurde durch den Fleiß und den Gemeinsinn ihrer Bürger
letztlich doch gemeistert. Allein diese Erkenntnis rechtfertigt schon den
Rückblick auf die vergangenen Jahrhunderte ihrer stolzen städtischen
Vergangenheit.