Die Stadtgeschichte - Wirtschaftsleben
 
Schon das mittelalterliche Wirtschaftsleben Neustadts war stark von Weinbau und Weinhandel geprägt. Römerzeitliche Funde wie Rebenmesser oder Darstellungen des Weingottes Bacchus erlauben Rückschlüsse auf das hohe Alter des Weinbaues im Neustadter Raum. Neben dem Wein war es vor allem das Holz, das die Neustadter Wirtschaft in alter Zeit bestimmt hat. Bis um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurde auf dem Speyerbach Holz geflößt und auf großen Plätzen im Westen und Osten der Stadt gestapelt. Daneben wurden am Speyerbach zahlreiche Mühlen betrieben, und auch das Gerberhandwerk der Stadt war bedeutend.

War das erste Drittel des 19. Jahrhunderts in Neustadt in erster Linie gekennzeichnet von politisch brisanten Strömungen, so ist das Hervorstechende der zweiten Jahrhunderthälfte ein erstaunlicher wirtschaftlicher Aufstieg. Die Wirtschaftsentwicklung der Stadt Neustadt weist in dieser Zeit im Vergleich mit anderen pfälzischen Städten charakteristische Eigenheiten auf. Im Vordergrund der lokalen Wirtschaftstätigkeit standen Handelsgeschäfte, wobei der Weinhandel und der Handel mit land- und forstwirtschaftlichen Produkten besonders hervortraten. Neustadt ist bis weit in das 19. Jahrhundert hinein eine von Land- und Forstwirtschaft getragene "Ackerbürgerstadt" geblieben. Wein- und Holzhandel bleiben lange wichtige Fundamente der städtischen Wirtschaft. Nach der Jahrhundertmitte begann sich neben dem lokalen breitgefächerten Handwerk ein bescheidener industrieller Aufstieg abzuzeichnen. Zweifellos stand diese nach 1850 spürbare Entwicklung in engem Zusammenhang mit dem Eisenbahnbau, der die Verkehrslage Neustadts entscheidend verbessert hat.

Mit Ausnahme älterer Fabrikationszweige, wie der Tuch- und Papierherstellung, ergaben sich in der Frühphase der Industrialisierung Entfaltungsmöglichkeiten vorrangig für auf land- und forstwirtschaftliche Produktion abgestellte Gewerbezweige wie das Mühlengewerbe, Holzverarbeitung, die Herstellung von Nahrungs- und Genußmittel, Brauereien, Mälzereien, Brennereien und Stärkefabriken. Eisen- und Metallverarbeitung setzten zwar noch im 19. Jahrhundert ein, wesentliche Daten liegen aber bereits jenseits der Jahrhundertschwelle.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse Neustadts werden auch durch die in der Stadt tätigen Geldinstitute erhellt. Um 1890/91 waren nicht weniger als acht Banken in Neustadt tätig. Die Einwohnerzahl der Stadt wuchs von 7580 auf 13645 in den Jahren 1850-1890.

Die Tatsache schließlich, daß 1890 ein Konsulat der Vereinigten Staaten von Amerika für die Pfalz in Neustadt eröffnet wurde, darf als ein beredtes Indiz für das öffentliche Ansehen sowie für die verkehrsmäßige und wirtschaftliche Bedeutung der Stadt im letzten Jahrzent des 19. Jahrhunderts gelten.

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